Zwillingssilber bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften

Im Lohrheidestadion in Bochum Wattenscheid fanden die diesjährigen Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der U18 und U23 statt. Für die Altersklasse U23 war durch das Fehlen einer internationalen Meisterschaft die Deutsche Meisterschaft zugleich der absolute Saisonhöhepunkt.

Die LG Bamberg war mit vier Startern/innen vertreten. Den Anfang machten Jule und Emma Lindner.
Während Emma sich bereits auf ihr Halbfinale über 1500 Meter vorbereitete, kam es zur großen Überraschung für das Feld. Da sich nur 14 Teilnehmerinnen zurückgemeldet hatten, entfiel der Vorlauf. Durch die kurzfristige Absage ihres Halbfinallaufs konnte sich die Bambergerin gänzlich als Zuschauerin auf das Finale ihrer Zwillingsschwester über 3000 Meter Hindernis konzentrieren.
Bereits vor dem Rennen war klar, dass der Sieg hierbei nur über die Bamberger Läuferin oder die ein Jahr ältere Adia Budde aus Tübingen gehen kann. Die taktische Vorgabe war, dass Jule stets mit Adia Budde – egal welches Tempo sie einschlägt- mitgehen sollte. Genauso setzte die Studentin das auch um. Bei einem vergleichsweise moderaten Anfangstempo lief sie immer an der Schulter ihrer Konkurrentin um freien Blick sowie Anlauf auf die Hindernisse zu haben. Dafür nahm Jule den etwas weiteren Weg auf Bahn 2 in Kauf. Bereits nach der Hälfte des Rennens hatten sich die Topfavoritinnen deutlich vom restlichen Feld abgesetzt. Eingangs der letzten Runde kam es zur ersten Tempoverschärfung, doch Jule blieb dran. Am letzten Wassergraben verlor sie kurz einen Meter durch die Außenbahn, lief aber nochmals heran. Am Ende konnte Adia Budde bei einer sehr schnellen Schlussrunde beider Läuferinnen mit 9:52,07 Minuten die Ziellinie einen Wimpernschlag vor Jule (9:52,43 Minuten) überqueren. Kurzer Frust nach dem „verlorenen Titel“ wich dann aber nach und nach mit der Siegerehrung dem Stolz, im ersten Jahr der U23 die Silbermedaille gewonnen zu haben und diese Saison mit vielen schnellen Rennen sowie einer neuen Bestzeit über die Hindernisse abgeschlossen zu haben.

Am folgenden Tag durfte nun Emma endlich im Finale  über 1500 laufen. Auch bei diesem Feld zeichnete sich bereits vorher ein klarer Zweikampf zwischen der Litzendorferin und Lera Miller aus Löningen ab. Dementsprechend ging Emma ebenfalls mit dem Ziel in das Rennen, sich Lera Miller an die Fersen zu heften und zu versuchen, die ebenfalls extrem spurtstarke Athletin auf den letzten Metern zu schlagen. Bei einem verhältnismäßig langsamen Rennen hielt das komplette Feld den ersten Kilometer mit, was jederzeit zu einem Sturz im Pulk hätte führen können. Dementsprechend spannend ging es auf die letzten 500 Meter. Lera Miller verschärfte das Tempo leicht, hier konnten noch ein paar Läuferinnen des Feldes folgen, die Schlussrunde war dann quasi ein 400 Meter Sprintrennen. Bei einer Zeit von 62 Sekunden auf den letzten 400 Metern hätten selbst manche Spezialistinnen Probleme. Nur Emma konnte der Läuferin aus Löningen folgen und ging mit ihr gemeinsam auf die Zielgerade. Bei einem  Versuch anzugreifen, verschärfte Lera Miller aber nochmals, sodass sie mit 4:33,29 Minuten knapp vor Emma (4:34,21 Minuten)  ins Ziel kam. Zu Recht nahmen sich die beiden Konkurrentinnen danach im Ziel in den Arm. Es war eine sehr knappe Entscheidung und der Schlussspurt beider Läuferinnen sensationell!
Jetzt werden die Zwillinge erst eine kurze Pause einlegen und sich gut regenerieren, denn schließlich folgt im Jahr 2027 eine Saison mit der U23 EM in Polen, welche bereits Ende 2025 als großes, langfristiges Ziel für beide Talente ausgegeben wurde!

Darüber hinaus starteten für die LG Bamberg Katja Chernyi (U23) sowie Andrej Curcic (U18) und sammelten erste Erfahrungen bei deutschen Meisterschaften. Die sonst so stabile Hochspringerin hatte mit Anlaufproblemen zu kämpfen, übersprang 1,68 Meter und belegte damit Platz zwölf. 110-Meter-Hürdenläufer Andrej Curcic laborierte seit einigen Wochen an einer Muskelverletzung. Im Vorlauf lief er 14,99 Sekunden und verpasste den Zwischenlauf um sieben Hundertstel. Die ersten Eindrücke bei einem Wettkampf mit Callroom usw. waren überwältigend. Im nächsten Jahr möchten sich die beiden Nachwuchstalente noch besser platzieren.

Lindner-Zwillinge mit starken Auftritten in Karlsruhe und den USA

Karlsruhe lockt mit seiner Langen Laufnacht Jahr für Jahr hochkarätige Lauftalente zu einem international stark besetzten Meeting. Mit dabei war auch Emma Lindner von der LG Bamberg, die mit dem Ziel einer neuen Bestzeit über 1.500 Meter an den Start ging.

Im zweitschnellsten Lauf des Tages hielt sich die Bambergerin von Beginn an in der Spitzengruppe hinter der Tempomacherin auf. Das dicht gedrängte Feld verlangte den Athletinnen jedoch permanente Aufmerksamkeit ab. Auch Emma Lindner geriet mehrfach aus dem Rhythmus, als sich die Positionen innerhalb der Gruppe verschoben. Kurz vor Beginn der Schlussrunde kam es dann zu einer unglücklichen Szene: Die Pacemakerin verließ die Bahn nicht wie üblich nach außen, sondern lief nach innen auf das Rasenfeld und übersah dabei die direkt hinter ihr laufenden Bambergerin. Emma Lindner musste kurz abbremsen, konnte einen Sturz jedoch gerade noch vermeiden. Anschließend fand sie sich auf Rang zwei wieder.

Auf den letzten 200 Metern versuchte die Studentin noch einmal, sich besser zu positionieren. Dafür musste sie in der Kurve allerdings den längeren Weg über Bahn zwei in Kauf nehmen. Auf den letzten 50 Metern schwanden schließlich die Kräfte, sodass noch zwei Konkurrentinnen knapp vorbeiziehen konnten. Dennoch wurde ihr mutiger Rennverlauf belohnt: Mit 4:17,07 Minuten verbesserte Emma Lindner ihre persönliche Bestzeit deutlich. Bei einem etwas günstigeren Rennverlauf möchte sie diese Marke in den kommenden Wochen weiter steigern.

Ihre Vereinskollegin Eva Jansohn absolvierte in Karlsruhe ihren ersten 800-Meter-Lauf der Saison. Mit ihrer Endzeit von 2:14,21 Minuten zeigte sie sich jedoch nicht ganz zufrieden. Da sich ihre Beine bereits beim Aufwärmen nicht optimal angefühlt hatten, hofft sie, ihre Zeit bereits am kommenden Wochenende bei der Sparkassen-Gala in Regensburg deutlich zu verbessern.

Währenddessen kämpfte Jule Lindner am selben Tag in Lexington im US-Bundesstaat Kentucky um die Qualifikation für die nationale Collegemeisterschaft der USA. Nur die wenigsten Athletinnen und Athleten schaffen dieses Ziel bereits im ersten Studienjahr. Jule Lindner ließ jedoch von Beginn an keine Zweifel an ihrem Vorhaben aufkommen.

Für die direkte Qualifikation war ein Platz unter den ersten drei Läuferinnen des Vorlaufs erforderlich. Die Taktik sah daher vor, die als stärker eingeschätzte Angelina Napoleon zunächst ziehen zu lassen und sich selbst mit hohem Tempo auf Rang zwei abzusetzen. Genau diese Vorgabe setzte die junge Athletin konsequent um. Bereits nach dem ersten Kilometer lief sie ein weitgehend einsames Rennen auf dem zweiten Platz. In starken 9:46,95 Minuten überquerte sie schließlich als Zweite die Ziellinie und sicherte sich souverän das Ticket für die nationale Collegemeisterschaft.

Dort wartet nun hochkarätige Konkurrenz auf die Bambergerin. Mit Spannung darf erwartet werden, zu welcher persönlichen Bestzeit sie dort fähig sein wird. Anschließend wird auch Jule Lindner ihre Koffer packen und für die Deutschen Meisterschaften nach Deutschland reisen.

Gemeinsam mit ihrer Schwester Emma wird sie dann im roten Trikot der LG Bamberg in Bochum an der Startlinie stehen.