Fischer´s Zeilen im April 2022

Angesichts der täglichen Bilder aus dem Kriegsgebiet fällt es sehr schwer, unabhängig davon einen
Beitrag für den Newsletter zu schreiben. Ich möchte Sie aber an dieser Stelle darauf hinweisen, dass
wir mit dem Angriffskrieg des „lupenreinen Demokraten W. Putin“ nicht nur eine Zeitenwende in der
Sicherheitspolitik sehen, sondern ebenso eine signifikante Veränderung in der Wirtschaft und dies
wiederum wird eine erhebliche Auswirkung auf die Praxen in Deutschland haben.

Kaum ist die Geldflutung der EZB und der Bundesbank für die Corona geplagte Wirtschaft vorbei,
entwickelt sich mit dem Kriegsgeschehen in Osteuropa eine ganz andere Dynamik. Durch die massiv
steigenden Rohstoffpreise musste man sich nicht nur an der Tankstelle oder beim Gas- und
Öllieferanten seiner Wahl verwundert die Augen reiben, nein nun steigen auch die
Lebensmittelpreise spürbar an. Und vergessen Sie die Hoffnung, das wäre ein Einzelfall! Wir haben
seit März 2021 – als die Inflation noch bei 1,7 % in Deutschland lag, über 3,8 % im Juli und dann 5,3 %
im Dezember – eine Rallye hingelegt, die noch nicht zu Ende ist. Gerade eben wurden die Zahlen für
März 2022 veröffentlich – 7,3 %!!!

Inflation ist das erste Wundermittel des schlecht geführten Staates. Das zweite Wundermittel ist der Krieg. Beide führen zu zeitweiligem Wohlstadt und beide führen zum völligen Zusammenbruch.

(Ernest Hemingway)

Ehrlich gesagt, bin ich über das Zitat selbst erschrocken…….einfach zeitlos diese Aussage.
Was bedeutet das aber für uns oder Sie als Großgerätemediziner? Der/Die eine oder andere wird es
schon gemerkt haben. Die Strompreise steigen, die Wartungsverträge, die an einen Index gekoppelt
sind, gehen nun wunderbar nur noch in eine Richtung und vom Markt wird mir von Radiologen und
Strahlentherapeuten berichtet, dass Ersatzteile nicht mehr problemlos zu bekommen sind. Das alles
stört letztlich den normalen Betriebsablauf in der Praxis. Signifikant steigende Kosten in der
Kombination mit einer weitgehend gleichbleibenden Vergütung für medizinische Leistungen – die
Strahlentherapeuten haben nach einer langen Phase der sicheren Vergütung im Jahr 2021 erstmals
merken müssen, dass es auch einmal weniger werden kann – dann geht die Schere einfach zu und die
wunderbaren Jahre mit den stets hohen Gewinnen, gehören plötzlich der Vergangenheit an.
Natürlich wird nun eingewendet werden, dass doch die Anzahl der Tumorpatienten regelhaft durch
die Altersstruktur der Bevölkerung steigt. Korrekt, aber richtig ist auch, dass unser Vergütungssystem
in Deutschland die Verkürzung der Serien nicht abbildet. Hier besteht Nachholbedarf von Seiten des
Berufsverbands und der Fachgesellschaft.

Erst letzte Woche hatte ich hier eine Diskussion mit einem Vertreter der Medizintechnik. Es ging um
die Refinanzierung des MR LINAC. Dieses Hybrid Gerät hat natürlich einen Mehrwert für die
Patienten, dieser ist unbestreitbar. Aber auf meinen Hinweis, als ich bereits vor mehr als zwei Jahren
dringend empfohlen habe, die Geräte an den Universitäten erst dann aufzustellen, wenn die
Refinanzierung mit den Kassen besprochen ist………ist man damals nicht eingegangen. Was bedeutet
das in unserem System? Die Geräte an den Universitäten werden installiert, keine Ziffern existieren
und letztlich muss man sich dann mit einer Vergütung zufriedengeben, die es eben auch für einen
reinen Beschleuniger gegeben hätte, obwohl das Gerät natürlich viel mehr als ein solcher kostet
(Investition und Wartung). Das Ergebnis? Die Geräte sind für den breiten Markt – also für Einheiten
außerhalb der Universitäten – nicht kaufbar…….die Innovation verkommt zum „markttechnischen
Rohrkrepierer“. Das an dieser Stelle weder vom Berufsverband noch von der Fachgesellschaft ein
„hohes Lied vom MR LINAC“ gesungen wird, ist selbsterklärend. Wenn die moderate und die ultra
Hypofraktionierung hier 1:1 umgesetzt werden würde, dann würde das Abrechnungssystem in der
Strahlentherapie kurzfristig kollabieren, da niemand in der Lage wäre, dies zu kompensieren. Daher
bleibt die Innovation in der Schublade und in Deutschland (und in Österreich) bleibt man zu großen
Teilen bei der Normo-Fraktionierung.

Innovation ist keine Garantie gegen das Scheitern, aber oder Innovation ist das Scheitern garantiert.

(Stefan R. Munz)

Kommen wir nochmals zurück zu den Auswirkungen der Inflation.
Stellen Sie sich doch einfach mal vor, wie die Investoren und deren Modell funktionieren. Da werden
die Praxen für einen Multiplikator von 6 bis 9 gekauft und durch schiere Größe bekommt man vom
nächsten Investor für das gleiche Produkt einen höheren Multiplikator………sagen wir einfach mal 14
oder 16. Wie weit geht das? Ich hatte das einen auf M&A Geschäft spezialisierten BWL Professor
gefragt. Dieser meinte mir gegenüber…….bis zum Faktor 25 und manchmal auch bis zum Faktor 40.
Was bedeutet das? Einfach ausgedrückt, würde das zu einer Rendite von 2,5 % bis 4 % führen. Auf
meine Frage, wer denn so einen Quatsch kaufen würde sagte mir der BWL
Professor……….Rentenfonds. Also diejenigen, die eigentlich solide Titel kaufen müssen, um in der
Zukunft ihre Versprechen einhalten zu können. Wer wie ich nun 30 Jahre im Segment
Gesundheitswesen unterwegs ist, dem läuft es da kalt den Rücken herunter. Schlicht deswegen, weil
Schwankungen in den Honorarsystemen immer möglich sind und diese dann natürlich weit größere
Auswirkungen auf die Ergebnisse haben als die o.g. 2,5 % bis 4 %.
Stellen Sie sich jetzt vor, die Inflation steigt an, wie wir es gerade erleben. Schauen Sie nun informativ
auf die Zinsen, die nun auch in Bewegung geraten sind. Dann kann sich doch jeder ausmalen, dass die
Einkaufspreise sinken müssen, um die geniale Geldvermehrungsmaschine in dem gleichen Umfang in
Betrieb zu halten. Höhere Zinsen führen automatisch zu geringeren Kaufpreisen.

1 + 1 = 2 plus Zinsen

(Dr. Rudolf Meindl)

Die sinkenden Kaufpreise werden nicht offen ausdiskutiert, aber sie schweben im Raum. Ob der
Einstieg des Infrastrukturfonds INFRAVIA in den Markt oder das Interesse weiterer potenzieller
Marktteilnehmer das für die einfache Einheit kompensieren können, wage ich zu bezweifeln. Im
Einzelfall wird es für sehr große Ziele (viele Praxen oder ein sehr gutes EBITDA) noch gute Preise
geben, aber für kleinere Einheiten sind nun sinkende Gebote festzustellen.

Lassen Sie sich nicht täuschen. Faktisch müssen Sie immer mit mehreren Interessenten reden und
verhandeln, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Wir helfen Ihnen hier gerne im Rahmen eines
fest definierten Auftrags. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen jungen dynamischen Facharzt
finden, der noch genügend Dampf unter dem Kessel hat, sehe ich zunehmend schwinden. Es ist
definitiv nicht so, dass wir als Proconcept keine jungen und fachlich qualifizierten Ärzte finden
würden, aber die Unternehmereigenschaft ist so gut wie ausgestorben. Das scheint aber kein
Medizinerproblem zu sein, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Erst gestern war ich in einem
schönen Hotel im Schwarzwald und habe dem Hotelier und Gastronomen zugehört. Dieser meinte –
bezogen auf junge Leute in der Hotelbranche – die sollten einmal mehr das Wort „work“ statt „life
balance“ verwenden. Immer wenn er mit Kollegen sprechen würde, wird schon im ironischen
Unterton vom Club der Ü60 bei den Unternehmern gesprochen. Wenn dieses Nachwuchsproblem
aber überall vorhanden ist, dann ist den Investoren „Tür und Tor“ geöffnet und kein wesentlicher
Widerstand zu erwarten.

Hoffen wir darauf, dass dieser entsetzliche Krieg bald zu Ende ist und man sich mit der Rückkehr zur
Normalität – was das auch immer sein mag – beschäftigen kann. Wir stehen Ihnen – den Radiologen,
Nuklearmedizinern und den Strahlentherapeuten – natürlich weiter mit Rat und Tat zur Seite und
zögern Sie nicht uns zu kontaktieren. Wir nehmen uns gerne Zeit für Sie und – und das möchte ich
nach wie vor auch nach 30 Jahren betonen – wir sind unabhängig.

Sollten Sie unsere Informationen nicht mehr lesen wollten, darf ich Sie bitten, sich unkompliziert
auszutragen.
Ihr
Heinz Peter Fischer

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